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Der Mann im Ledermantel am Steuer lächelte. Offensichtlich war er nicht so ganz einer Meinung mit seinem Kollegen. Der Mann neben mir rückte seine Brille zurecht und fragte dann: "Wie alt sind Sie jetzt?"

Ich erwiderte desinteressiert: "Achtunddreißig".

"Na, ja", meinte er, "achtunddreißig, einundvierzig; es ist eine lange Zeit und die schönsten Jahre Ihres Lebens, die Sie vergeuden, für eine Sache, die sich vielleicht gar nicht lohnt."

"Ach", bemerkte ich, "machen Sie sich darüber keine Gedanken. Ich finde es nett, dass Sie beide mich abgeholt haben und ich nicht mit einem gewöhnlichen Transport mit anderen Gefangenen nach Hannover gefahren wurde. Es ist mir so lieber und dafür danke ich Ihnen. Aber, wie schon gesagt, ich möchte keine politischen Diskussionen. Und die Frage, ob es sich lohnt, sich für die Interessen der Bevölkerung einzusetzen, wird jeder etwas anders beantworten. Es kommt eben darauf an, von welchem Standpunkt ich die Sache sehe. Im Betrieb habe ich mich auch manchmal gefragt, ob es richtig ist, so viel Zeit zu opfern. Aber wenn ich dann mit meinen Kolleginnen und Kollegen von der Gewerkschaft zusammen war, dann habe ich mir gesagt. Es lohnt sich immer. Vieles lohnt sich, obwohl man vorher nicht sagen kann, ob wir einen Nutzen davon haben. Wenn ich zehn Mark spende für die armen Kinder in Afrika oder in den anderen unterentwickelten Ländern, dann weiß ich auch nicht, ob es sich lohnt, ob das Geld an die richtige Stelle kommt usw. Aber lohnen, etwas für die Menschen zu tun, lohnt sich immer...

Überlegen Sie mal; ich bekam sogar einen Erfassungsbescheid zur neuen Wehrmacht ins Gefängnis geschickt. Der Jahrgang 1922 sollte ja als kriegserfahrener Grundstock für die neue Wehrmacht wieder einberufen werden. Meine Mutter schrieb mir, sie kann nicht glauben, dass Menschen gerade von diesem Jahrgang, der soviel Blutzoll gezahlt hat, verlangen, noch einmal die Waffe in die Hand zu nehmen. In einem Nachbarort ist dem Bescheid, sich zu melden, nicht ein einziger gefolgt. Und bei uns zu Hause war eine Protestversammlung, da war der größte Saal der ganzen Gegend knallvoll. Das waren nicht alles Kommunisten. Wenn die Leute mit Tatsachen konfrontiert werden, mit Dingen, die sie direkt angehen, dann werden sie wach und da sollen sie wissen, was sie tun können, um der Sache zu entgehen. Soweit ich gehört habe, ist der Beschluss der Regierung, den Jahrgang 1922 wieder einzuziehen, zurückgenommen worden. Das ist doch was."

Der Mann am Steuer, der Kollege von dem Langen, lächelte immer noch. Der Lange schien etwas verärgert zu sein, aber offenbar täuschte ich mich, denn er sagte ganz ruhig: "Ja, da gehen unsere Meinungen wahrscheinlich auseinander. Ich weiß nicht, was einmal wird und was wir noch erleben werden, aber glauben Sie mir, unsere Arbeit ist auch kein Zuckerschlecken. Wir gehören nicht zu der Obrigkeit oder wie Sie es sonst nennen."

Wir schwiegen. Der Wagen fuhr flott weiter. Das war wohl das letzte Zusammentreffen mit den beiden Herren von der politischen Polizei.

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