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Seite 7 Leseprobe 4 Die Menschen vergessen sehr schnell was gewesen ist oder sie verdrängen es. So ist auch in Vergessenheit geraten oder verdrängt worden, dass es die Kommunisten waren, die in der Nazizeit den Großteil des Widerstandes gegen den Faschismus getragen haben und bei diesem Kampf viele ihrer Funktionäre und Mitglieder in die Konzentrationslager wanderten. Etliche wurden ermordet, so auch ihr erster Vorsitzender Ernst Thälmann. Auch die Haltung der Kommunisten zu den einzelnen Fragen in der Nachkriegsgeschichte wird verschwiegen, weil in diesem Zusammenhang die ganze Widersprüchlichkeit der Nachkriegspolitik, auch die der großen Parteien, zur Sprache kommen müsste. Ich möchte das an Hand eines gravierenden Beispiels darstellen. Ich nehme hier das Saargebiet auch deshalb, weil einer der Verurteilten, ein guter Freund und Genosse, aus dem Saargebiet ist... So gab es im Saargebiet am Anfang vier Parteien. Die führende Partei, die Christliche Volkspartei (CVP) gründete sich am 10. Januar 1946 in Saarbrücken. Nach den verschiedenen Zeitungsberichten, die sich auch manchmal widersprechen, gab es am Anfang zumindest keine Bindungen zum übrigen Deutschland. Dennoch unterschied sich die CVP nicht wesentlich von anderen christlichen Parteien. Die Partei war für den Wirtschaftsanschluss des Saarlandes an Frankreich; das heißt, sie bejahte die wirtschaftliche Angliederung der Saar an das französische Wirtschaftssystem. In späteren Erklärungen und in ihrer Politik als Regierungspartei war sie auch für die politische Lostrennung des Saargebietes von dem übrigen Deutschland. |
Die Sozialdemokratische Partei Saar (SPS) hat sich am 28. Oktober 1945 in einer Gründungsversammlung in Völklingen konstituiert. Am Anfang verstand sich die SPS als Teil der deutschen Sozialdemokratie, von der sie sich am 14. Juni 1947 organisatorisch trennte, weil in der folgenden Zeit die Besatzungsmacht eine solche Trennung vorschrieb. Die Führungsspitze der SPS kam, wie bei der CVP, aus der Emigration. Parteivorsitzender der SPS wurde Richard Kirn, der den Vorsitz bis zur Volksabstimmung 1955 innehatte. In der Zeit ihrer Existenz gab es erbitterte innerparteiliche Auseinandersetzungen. Drei Richtungen stritten sich um die richtige Politik. Die Autonomisten (Kirn, Zimmer, Wacker, Kunkel, Braun) Sie waren für den Wirtschaftsanschluss an Frankreich. Die pro-deutsche Opposition (Roth, Conrad, Regitz). Die Mitglieder, die sich der MRS zuneigten und zum Teil auch dort tätig waren. Die MRS verstand sich als überparteilich und wollte in allen Parteien präsent sein. Sie trat für den wirtschaftlichen und politischen Anschluss an Frankreich ein. Am 6. April 1946 bekannte sich eine SPS-Konferenz zum Wirtschaftsanschluss. Wegen diesem Wirtschaftsanschluss kam es 1952, zur Spaltung der Partei, weil eine starke innerparteiliche Opposition gegen den Wirtschaftsanschluss war. Führende Vertreter der Opposition waren Ernst Roth, Kurt Conrad und Friedrich Regitz. Gegen Kurt Conrad wurde ein Parteiordnungsverfahren eingeleitet mit dem Ziel, ihn aus der Partei auszuschließen. Conrad kam dem zuvor und trat am 26.04.52 aus der SPS aus; Regitz folgte ihm.
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Die Kommunistische Partei Saar (KPS)
wurde am 10. Januar 1946 wieder gegründet und betrachtete sich anfangs als
Teil der KPD im übrigen Deutschland. Nach der Bildung der Saarregierung
musste sie 1947 ihre Verbindung zur KPD aufgeben. Ab diesem Zeitpunkt waren
an der Saar nur Parteien zugelassen, die organisatorisch und finanziell von
außersaarländischen Parteien unabhängig waren. Auch die Führung der KPS
rekrutierte sich aus ehemaligen Emigranten. Nach verschiedenen Büchern und
Berichten war sie innenpolitisch bedeutungslos, obwohl sie immerhin fast 10
% der Stimmen erhielt. Zwei Hauptgründe werden dafür angegeben, dass sie überhaupt existierte, da sie ja offen gegen den Wirtschaftsanschluss agitierte. Einmal konnte man eine unbedeutende Oppositionspartei als Ausweis demokratischer Freiheiten an der Saar benutzen und weiter musste sich der französische hohe Kommissar auch auf die Lage in Frankreich selbst orientieren. Zu dieser Zeit hatte die Kommunistische Partei in Frankreich eine außerordentlich starke Stellung. Er hätte also in jedem Fall einem Verbot der KP Saar kaum zugestimmt. Einer solchen Schlussfolgerung wird im Parteienhandbuch, einem umfassenden Werk über die Parteien der Bundesrepublik Deutschland 1945-1980, herausgegeben von Richard Stöss, nicht zugestimmt. Frank Dingel führt dazu in diesem Buch aus: "Die KPS spielte im Parteiensystem des Saarlandes eine Doppelrolle: Zum einen war sie sozialistische Fundamentalopposition gegen die bürgerlich-kapitalistischen Verhältnisse, zum anderen stellte sie die einzige legale Partei mit prodeutschem nationalem Standpunkt dar. Sie bemühte sich, beide Positionen in einem breiten antimonopolistischen Bündniskonzept zu vereinigen. Dass sie dabei nur bedingt erfolgreich war, hatte mehrere Ursachen..." Hier klicken zur: Seite 8 Impressum |